Gibt's doch alles im Internet
KULTUR | WIKIPEDIA (15.01.2005)
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Ist das so? Gibt es denn wirklich alles im Internet? Auf fast jeder Webseite werden Waren feilgeboten oder kommerzielle Werbung bestimmt das Layout. Doch wie steht es mit wahren Informationen? Die intelligente Suche Eine intelligente Suche unterscheidet sich von der herkömmlichen durch minimal eingesetzte mathematischen Zeichen: Die Addition und die Subtraktion. Durch Subtraktion können bei den meisten Suchformularen Begriffe ausgeschlossen werden. In der Praxis sieht das so aus, dass ein Minuszeichen vor einen Suchbegriff genau diesen Begriff von der Suche ausschließt ( z.B. Videoschnittsoftware download freeware -kaufen -shareware). Doch noch immer ist die Suche nach verlässlichen Informationen schwierig und es erfordert einiges an Geduld und Konzentration, um sich Dialer oder sonstige Abartigkeiten des Internets vom heimischen PC fernzuhalten. Angenommen, man sammelt alle Informationen zu einen bestimmten Begriff im Internet und bildet aus diesem Wulst an unterschiedlichen Dokumenten (HTML, PDF, DOC, FLASH, ...) einen Querschnitt - es wäre eine öffentliche Meinung, die von 55% der Deutschen gebildet wurde (denn so viele verfügen über einen Internetzugang). Gesetzt dem Fall, dass der PC danach trotz der vielen Plugins, Cookies, Spyware, Würmern, Trojanern, etc. noch imstande ist, Benutzereingaben zu empfangen - wie könnten all diese Informationen bewertet werden? Welche Kriterien sind ausschlaggebend für die Aussage "Das muss jetzt aber stimmen"? Sicher, wenn man ein paar Tausender zuviel in der Tasche hat, stelle ich mir diese Frage nicht. Die Enzyklopädie von Brockhaus auf den Tisch (24 Bände) und schon kann ich blättern nach Herzenslust und mir einen "Meinungsquerschnitt" abschreiben. Doch was macht der mündige Bürger, dem das einfach zu teuer ist? Verzicht auf detaillierte Informationen, weil nicht im Budget? Das kann keine Lösung sein. Die Chaos-Enzyklopädie Was würde passieren, wenn es eine globale Webseite gäbe, auf der JEDER Besucher sein Wissen zu einem bestimmten Sachverhalt hinterlassen könnte? Es würde keine Anmeldung erfordern, keine Spyware würde sich in den PC kuscheln und alle so entstandenen Begriffsdefinitionen können wiederum von JEDEM Besucher verändert werden. Würde diese Webseite total unbrauchbar werden? Oder wäre es der perfekte Querschnitt der öffentlichen Kenntnis zu bestimmten Begriffen und Sachverhalten? Probieren ist besser als Studieren! Unter den Namen Wikipedia versammeln sich Enzyklopädien in zahlreichen Sprachen, deren Inhalt frei verwendbar ist. Lediglich eine Quellenangabe in den Dokumenten, die sich der Wikipedia bedienen, wird verlangt. Die englische Version einer solchen Enzyklopädie entstand im Januar 2001 und wird von der amerikanischen Wikimedia Foundation betrieben. Fünf Monate später ging das deutsche Schwesterprojekt online. Der Alias Begriff entspricht im Endeffekt einem Artikel, der unter anderen auch Bilder, Links oder Multimedia-Dateien enthalten kann. Das Projekt setzt auf das Selbstheilungsprinzip der Internetgemeinde. Mit einem boshaften Beweggrund lässt sich sehr wohl Artikel verunstalten, indem religiöse Weltanschauungen in den Vordergrund gerückt werden oder "Fan-Tun" ausgeübt wird (z.B. "Dagobert Duck ist der reichste Mann der Welt"). Neben einer Journalfunktion, die jegliche Änderung an einen Artikel transparent macht und somit eine Rückgängig-Funktion bietet, können auch Nutzer, die sich auffällig daneben benehmen, vom System ausgesperrt werden. Besucher, die sich anmelden, können einen Mehrwert nutzen: Artikel verfolgen, Artikel-Änderungsinfo und mehr. Ein Qualitätsprüfsystem stellt die Artikel weiterhin auf Probe, indem bestimmte Zustände für Artikel vergeben werden können. Hier finden auch Urheberrechtsverletzungen Beachtung. Darüber hinaus gibt es zu jedem Artikel eine Diskussionsseite, die zum Gedankenaustausch verwendet werden kann. Im Herbst 2004 wurde ein Sonderband "Digitale Bibliothek" herausgebracht, welche zum freien Download zur Verfügung steht und in Buchläden gegen eine geringe Schutzgebühr erhältlich ist. Mit dieser CD haben auch PC-Benutzer ohne Internetanschluss die Möglichkeit, auf die freien Informationen zuzugreifen. Der Sonderband enthält 322.781 Seiten und 1.237 Abbildungen, die mit einer Suchfunktion durchstöbert werden. Das Fazit Das Projekt Wikipedia zeigt, dass die Internetgemeinde nicht nur aus Smilies-malenden, unverständlich-redenden Technik-Freaks besteht, sondern sehr wohl aus Menschen, die die Grundidee des Internets verstanden haben und Zeit investieren, um ihr Wissen unentgeltlich an alle weiterzugeben. Produktive Arbeit verschiedener Menschen aus unterschiedlichen Orten im Internet ist also keine Zukunftsmusik, sondern wird täglich in der Wikipedia gelebt. |