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KOMMENTAR
16.02.2009
Der Tod des Autos wäre das Ende vieler Krankheiten
VON Boje Maaßen
Das Schlimmste, was dem Deutschen geschehen konnte, ist eingetreten: Sein liebstes Kind, das Auto, ist in tödlicher Gefahr.

Ein Leben ohne Auto – unvorstellbar, schrecklich. Alles muss umgehend getan werden, um sein Überleben zu sichern. Alle folgen diesem Hilferuf, ob Linke oder Rechte, ob Begüterte oder Sozialhilfeempfänger. Keine Kosten werden gescheut, schon gar nicht die, die den nachfolgenden Generationen aufgebürdet werden. Hauptsache, der Patient bleibt am Leben. Nur eine verschwindende Minderheit sieht das anders, ihr soll hier das Wort gegeben werden.

Neue Chancen für Klima und Gesundheit

Zuallererst sollten wir, frei von Ideologien, erkennen, was das Auto wirklich ist: Das Auto kann und sollte man mit einer höchst ansteckenden Krankheit vergleichen, denn wer mit dem Auto, gewollt oder ungewollt, in Berührung kommt, wird selbst krank: seien es Landschaften, Dörfer, Städte,

Autos ohne Ende. (c) Christine Schmidt / pixelio.de

Kinder, Erwachsene oder das Klima. Zu diesen Opfern gehören auch die Autofahrer selbst, was diese aber in der Regel nicht bemerken, weil die Krankheit bei ihnen in Form einer Sucht auftritt. Der Tod des Autos wäre somit gleichzeitig das Ende vieler Krankheiten – und keine Katastrophe für die Menschheit. Im Gegenteil, neue Chancen für Klima, Landschaft, Städte und für Gesundheit täten sich auf. Nicht Kontaktvernichtung, sondern Möglichkeiten des Kontakts mit der natürlichen und sozialen Umwelt und mit sich selbst. Es entstünde zwar kein Reich der Freiheit, aber ein Bereich der Freiheit. Und es gibt bereits Ansätze, wenn auch noch nicht in den wünschenswerten Ausmaßen, die diese Freiheit z. B. unter dem Motto „autofrei wohnen“ verwirklichen, aber das System „Auto“ nicht gefährden.

Warum gibt es diese Abhängigkeit überhaupt? Ein wesentlicher Grund besteht darin, dass das Auto Bedürfnisse nach Bequemlichkeit, Aggression, Herrschaft befriedigt, so dass Zustände und Haltungen wie Egoismus, Leere, Oberflächlichkeit, Angst, Vereinzelung, Sucht und Rationalisierungen vorherrschen. Weil nahezu alle das Auto extensiv nutzen, wird dieses Wollen nicht hinterfragt, die normative Kraft des Faktischen wirkt hier uneingeschränkt. Diese Position hat alle Macht, aber keine rationalen Argumente. Dagegen hat die lebensfördernde Position, die die drastische Reduzierung des Autos auf das Notwendige fordert, die Argumente, aber keine reale Macht. Denn selbst, wenn die Emissionen durch technischen Fortschritt gegen Null geführt würden, spricht eben alles dafür, das Auto durch neue Transporttechnologien und vor allem durch ein neues Mobilitätsbewusstsein zu ersetzen. Es kann doch nicht sein, ein durch und durch destruktives System mit aller Kraft erhalten zu wollen, nur um die Wirtschaft in Gang zu halten. Damit würde man einen Weg in die Sackgasse zementieren.

Ökonomischer Wahnsinn

Von solchen Überlegungen ist der Mainstream des öffentlichen Diskurses noch Lichtjahre entfernt, denn die gegenwärtige Autokrise ist mitnichten eine Krise des Autos (so wünschenswert das wäre), sondern eine Absatzkrise, die anzeigt, dass das Auto zumindest in den Industrieländern die Sättigungsgrenze erreicht hat. Mehr geht einfach nicht. Auf die unendliche Vermehrung der Autos zu setzen, ist deshalb ökonomischer Wahnsinn. Vorausgesetzt man verfällt nicht auf „Innovationen“ wie den Erwerb des Führerscheins bereits ab zwölf Jahren oder dass man in Analogie zum Kleiderbesitz über ein Dutzend verschiedener Automodelle verfügt oder die sowie schon dominierenden Kleinbusse und Farmerwagen durch noch größere Modelle ersetzt.
Weil solche Vorstellungen wohl doch etwas zu abgefahren sind, wäre es - rein ökonomisch gedacht - sinnvoll, auf jegliche Subventionen für die Autoindustrie zu verzichten und die Gesetze des Markes entscheiden zu lassen.

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