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JOBSUCHE UND INTERNET
15.03.2008
Vom Trend der Selbstdarstellung
VON Sarah Khalil
Der Alptraum eines jeden Studenten. Da hat er seine Bewerbung perfekt gestaltet – und dennoch hat er schon vor dem ersten Gespräch alle Chancen verspielt. Denn auf seiner Website in StudiVZ sieht der strebsame, engagierte Jobanwärter ganz anders aus. Sein Hobby ist das Trinken und er ist Mitglied in der Gruppe „Saufen für Gehirn und Land.“

Selbstdarstellung im Internet (c) photocase.com, Benutzer spacejunkie

Der potentielle Arbeitgeber brauchte nur einen Klick, um den Kandidaten aus dem Rennen zu befördern. „Es wäre naiv zu glauben, Firmenchefs schauten nicht auf Portale wie StudiVZ“, weiß Katy Teubener, Dozentin am Institut für Soziologie. Sie forscht zum Thema „Selbstdarstellung im Internet“. In diesem Fall war der Webauftritt ein Fallstrick. Doch mindestens genauso gut kann das weltweite Netz die Jobsuche künftig erleichtern. Sicher ist nur, dass das Internet, speziell das Web 2.0, bei der Rekrutierung künftig unverzichtbar ist.

„Unternehmen schöpfen die Möglichkeiten des Netzes nur unzureichend aus.“

Wie genau das Netz allerdings genutzt werden kann, ist auch den Branchenriesen noch nicht klar. So findet sich auf den Job & Karriereseiten von Bosch ein Weblog, das potentiellen Bewerbern die Möglichkeit bietet, sich in direktem Austausch mit den Auszubildenden des Unternehmens über ihren Traumjob zu informieren. Gruner + Jahr wiederum lädt mit dem Online-Spiel CyPRESS zum virtuellen Rundgang durch seine Abteilungen ein und die Lufthansa schickt sogar fünf kleine Onlines ins Rennen, um den Marktwert der Interessenten zu testen. Diese Beispiele zeigen, wie verzweifelt Unternehmen auf der Suche nach fähigen Mitarbeitern sind. Häufig setzen sie dabei allerdings nicht mehr ein als standardisierte Formulare. „Damit werden die Möglichkeiten des Netzes nur unzureichend ausgeschöpft“, meint Teubener. Es werden nur ein paar dürftige Daten gesammelt, die auch in jeder Papierfassung angegeben sind. Ein Bewerber, der mehr kann als der Durchschnitt, hat so keine Chance, das zu beweisen.

„Schon um einen Beweis für die heute nahezu von jedem behauptete eigene Internetkompetenz zu bringen, würde ich meine Website selbst gestalten.“

Dabei ist die Lösung ganz einfach: „Schon um einen Beweis für die heute nahezu von jedem behauptete eigene Internetkompetenz zu bringen, würde ich meine Website selbst gestalten“, sagt Teubener und rät davon ab, Agenturen mit der Website-Produktion zu beauftragen. Dank benutzerfreundlicher Software könne sich heute jeder im Netz präsentieren. Allein 133.000 Deutsche tummeln sich allein in Blogs und beweisen, wie leicht der Weg ist. Diese Masse an potentiellen Konkurrenten ist für Jobsuchende nicht gerade motivierend, doch nur, wer sich auf die weltweite Plattform begibt, kann auch gefunden werden. Die Chancen dazu sind gerade dann gut, wenn der Bewerber etwas kann, aber nicht dem klassischen Profil des Karrieristen entspricht. Denn die meisten Großunternehmen suchen innovative und kreative Menschen, deren Qualitäten sich eben nicht in einer 08-15-Bewerbung zeigen. Also studieren sie das Angebot vor Ort: „Immer mehr Unternehmen gehen in das Umfeld der Studierenden.“

„Präsentieren Sie, was Sie können und nicht, was Sie vorgeben zu sein.“

Wer nun fürchtet, sich auf StudiVZ nur mit Schlips und Anzug zeigen zu können, darf aufatmen. „Präsentieren Sie, was Sie können und nicht, was Sie vorgeben zu sein“, appelliert Katy Teubener an die Kreativität und Authentizität der Studierenden. Dabei dürfen und sollen die Grenzen zwischen Beruf und Freizeit durchaus verschwimmen. Schließlich sagt es eine Menge über einen Bewerber aus, ob er lieber Sport treibt, liest, oder Schach spielt. Während diese Kenntnisse auf Papier nur aufgelistet werden, kann der Schachfan auf seiner eigenen Website gleich ein Diskussionsforum zu kniffligen Zügen des Spiels gründen und moderieren.

Nur den wenigsten Studenten gefällt die Vorstellung, so viel Privates zu offenbaren; viele glauben, sich so endgültig zu verkaufen. Ist das Web 2.0 tatsächlich ein Mittel zur Selbstausbeutung? Katy Teubener sieht das anders: „Mich stört, wenn gesagt wird, wir würden uns über das Internet verkaufen. „Ich plädiere ja nicht für das mehr oder minder wahlweise Verteilen virtueller Visitenkarten zur Anbahnung von Geschäftsbeziehungen à la XING.“ Vielmehr interessiere sie sich für die Möglichkeiten des Web 2.0. zum Aufbau von Interessensgemeinschaften „Ich persönlich stelle mich im Netz dar, um mit Menschen in Kontakt zu kommen, die ähnliche Ziele und Visionen verfolgen wie ich und nicht um einen potentiellen Arbeitgeber zu beeindrucken“, erläutert sie ihre Motivation.

„Ich bezweifele, dass Sie sich dem Trend zur Selbstdarstellung auf Dauer erfolgreich entziehen können.“

Wer selbstständig ist, sollte sich allerdings gut überlegen, ob er nicht im Internet aktiv werden will. Für alle, die den Schritt wagen, hat Teubener einige wichtige Tipps. „Stellen Sie nicht einfach nur Ihren Lebenslauf ins Netz, sondern lassen Sie Projekte für sprechen, die sie idealerweise selbst ins Leben gerufen haben.“ Wenn diese dann noch anhand von Weblogs, kleineren Filmen oder Ähnlichem dokumentiert sind, steigen die Chancen auf einen Job ungemein. Den Internetverweigeren gibt Teubener hingegen eine schlechte Zukunftsprognose: „Ich bezweifele, dass Sie sich dem Trend zur Selbstdarstellung auf Dauer erfolgreich entziehen können.“

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