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Der Baum muss hängen
KULTUR | WEIHNACHTSGESCHICHTE (20.12.2008)
Von Tim Köhler
Ein Weihnachtsbaum wird sinnlos mit Lametta behangen. So ist es Brauch. Praktisch sind diese Baumständer, um sie auf dem Boden zu installieren. In den 1930er und 1940er Jahren war es Brauch, die Weihnachtsbäume an die Decke zu hängen.

"Wir hatten damals eine kleine Wohnung. Meine Eltern mussten jeden Quadratmeter ausnutzen und meine beiden Geschwister brauchten auch Freiraum", erinnert sich Christa Reißmann an die
Günter Reißmann

Saalfeld 1945, Gisela Reißmann unterm Weihnachtsbaum (c) Günter Reißmann

Zeit im thüringischen Saalfeld. Wohnungsnot war der Grund für den höhergelegten Brauch.

Die Spitze des Baumes wurde mit einem Seil an die Decke gehangen. Darunter fanden die Gaben ihren Platz.

"Später, als wir nach Erfurt zogen - unsere Wohnung in Saalfeld wurde durch Bomben zerstört - hatten wir mehr Platz. Seitdem haben wir den Baum nicht mehr aufgehangen, sondern konnten ihn auf dem Boden stellen", so die heute 76-jährige.

Es gibt nicht mehr viele Zeugnisse dieses Brauches, der noch viel älteren Ursprungs zu sein scheint. So schnitzte zum Beispiel Hugo Brückner ein Holzbild "Deckenbaum" zu Weihnachten 1796 im Wandsbeker Schloß.

Schiller fand den Weihnachtsbaum schon immer gut, egal ob stehend oder hängend. So schrieb er 1789 an Lotte, dass er zu Weihnachten nach Weimar komme: "Ihr werdet mir hoffentlich einen grünen Baum im Zimmer aufrichten".
Ob Lotte den Wunsch nachgekommen ist, bleibt undokumentiert.

In den USA ist sowieso vieles anders und oft auch verkehrt herum: Vor ein paar Jahren wurden dort Plastik-Weihnachtsbäume vertrieben, die an die Decke installiert werden sollten. Allerdings nicht mit der Spitze und einem Seil, sondern mit dem Stamm zuoberst. Für viele New Yorker, die jeden Quadratmeter Platz teuer mieten müssen, ein willkommener Trend. Doch dem nicht genug. Weihnachtsbäume wurden auch aus Eisen gefertigt, teilweise sogar mit Gas beleuchtet.

Klingt alles komisch, war aber so.

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