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Menschliches Paarverhalten
GESELLSCHAFT | WAS WISSEN SIE SCHON... (15.07.2007)
Von Bianca Hüsing
Sie sind überall. Wohin meine Füße und die Räder meines Autos mich auch tragen, überall kommen sie mir entgegen. Sie kleben aneinander wie schlecht verarbeitete Lebensmittel,...

... sie schauen sich "verliebt" in die Augen und selbst auf Fahrrädern kommt es ihnen nicht in den Sinn, ihre Hände voneinander zu trennen und verursachen mit gut Glück dadurch einen Unfall: Paare.
Immer häufiger beobachtet man Bindungen, die über Jahre hinweg erhalten bleiben, nicht selten kommt dies bei Menschen meines Alters vor. Spricht man mit einem der zahlreichen, jahrgangsstufeninternen Pärchen, so muss man sich oftmals sogar entsetzlich lächerliche Zukunftsplanungen anhören. So gibt es nicht wenige, die ihres Partners wegen dessen Schritte in Richtung Zukunft zu teilen planen, beispielsweise die gleichen Fächer an der gleichen Uni studieren, um nur ja niemals von ihm/ihr getrennt zu sein. Selbst wenn die Vorhaben des Partners nicht im Geringsten mit ihren eigenen Vorstellungen des inhaltslosen Wortes "Zukunft" übereinstimmen, schrecken sie nicht davor zurück, ihm zu folgen. Bereits hier stellt sich also die Frage, ob es den Menschen erfüllt, seinen Interessen, Leidenschaften und Begabungen gemäß seinen Werdegang zu wählen oder ob Liebe und die bedingungslose Zweisamkeit mit dem Partner die Selbstverwirklichung des Menschen darstellen. Um diese Frage zu beantworten, müsste wiederum der Sinn menschlichen Seins erfragt werden und solches steht hier nicht zur Debatte.
Daher gilt es nun, den Begriff "Liebe" an sich zu hinterfragen.
Begegnen mir während meines täglichen Lebens wieder und wieder Paare, so kann ich es mir nicht nehmen lassen, einen gedanklichen Blick hinter den Schleier der "verliebten" Blicke und der zärtlichen Gesten zu wagen. Wie hoch ist die Zahl derer, die aus Gewohnheit oder gar Abhängigkeit der Zweisamkeit frönen? Wie hoch die Zahl derer, welche aus Angst vor Einsamkeit oder vorm Verletzen der Gefühle des Anderen ihre Zeit miteinander verbringen? Wie hoch ist die Zahl derer, die aufgrund ihrer jugendlichen Neugier zusammen sind? Wie viele dieser Paare führen tiefe Gespräche? Wie viele Partner solcher Bindungen kennen die Gedanken und die Art zu denken des Anderen? Wie viele Partner verstehen einander derart, als dass sie nachvollziehen können, warum ihr Partner traurig, glücklich oder wütend ist? Wie viele Paare ergänzen einander beim Philosophieren, sprechen die Gedanken des Anderen aus und gewinnen "Erkenntnisse" gemeinsam?
Hat es überhaupt einen Sinn, eine Bindung einzugehen, ohne zu wissen, was Liebe ist? Ist es noch prickelnd, eine Bindung einzugehen, nachdem die riesige Hürde des einander intensiv Kennenlernens überwunden ist? Da man vermutlich nie genau wissen wird, was Liebe ist und wann man liebt, hat es dann überhaupt einen Sinn, sich darüber Gedanken zu machen? Und wenn all diese Pärchen – oder zumindest die Mehrheit – tatsächlich fühlen, dass sie lieben, warum finde ich nicht raus, wie man liebt und wann?
Warum habe ich ein solches Gefühl noch nie verspürt? Warum scheitert jeglicher Versuch einer Bindung daran, dass ich einfach nicht das finde, was ich suche: die Liebe? Warum suche ich trotz meiner wundervollen Freundschaften und meiner Liebe zum Irrhaufen der Menschheit nach einer anderen Liebe, nach etwas, das ich nicht kenne?

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